Von äußeren und inneren Highlights

Von äußeren und inneren Highlights

27. Januar 2019 0 Von Jule

Saßen wir nicht eben noch bei 9 Grad eingekuschelt und mit Ingwertee bewaffnet in unserer Berghütte.  Und jetzt, zwei Tage später und ein paar Kilometer weiter bergauf und bergrunter, sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein und 29 Grad am See. Bruno genießt das kühle Nass. Kein Wasser ist vor ihm sicher. Das Wetter ist hier wirklich jeden Tag aufs Neue ein großes Überraschungspaket. Temperaturunterschiede von 15 Grad innerhalb eines Tages sind keine Seltenheit. 😀

Worauf wir uns hier auf der Südinsel am meisten gefreut haben, war das Fjordland. Ich befürchtete, dass das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung macht, denn die Tage zuvor waren sehr kalt und regnerisch. Die Berge waren wolkenverhangen. Puhh, dachte ich…wenn das Wetter so auf unserer Bootstour durch die Fjorde ist, dann können wir nicht nur die eindrucksvolle Natur gar nicht richtig bestaunen, sondern frieren uns auch noch ordentlich den Ar… ab. Diese Sorgen waren glücklicherweise unberechtigt, denn der Wettergott meinte es mehr als gut mit uns. Ja…wenn Engel reisen. 😉 Wir hatten Bombenwetter, ich war so dankbar. Die volle Breitseite Natur hat sich vor uns offenbart. Und nicht nur die schon vorab gebuchte Bootstour war atemberaubend. Auch die zweistündige Autofahrt durch die Berge, mit einem Zwischenstopp am Lake Mirror (dem Spiegelsee) war großartig.

Bei unserem Stop auf der Rücktour durften wir die Alpen Papageien, die Kea, kennen lernen. Die schienen so gar keine Angst zu haben und knabberten an Brunos Schuhen sowie an den Autos herum. 😀

Wir befinden uns derzeit direkt in der Mitte zwischen Äquator und Antarktis. Das erklärt warum sich Seerobben und Pinguine hier so wohl fühlen. In freier Natur kann man diese Tiere bestaunen. Pinguine haben sich uns leider nicht gezeigt, da sie eher zur Dämmerungszeit an Land kommen, was so zwischen 21 und 22 Uhr ist. Dafür konnten wir unter anderem am Nugget Lighthouse Point die Seerobben beim Toben zwischen den Felsen beobachten und gleichzeitig mal wieder ein spektakuläres Panorama genießen.

Definitiv nicht unerwähnt bleiben sollte das schöne Wochenende mit unseren neuen alten Freunden. Christin und Tim haben wir auf unseren Flug nach Auckland in Sydney kennen gelernt. Schon da war uns klar, dass es einfach passt. Und so verabredeten wir uns auf einem Zeltplatz und verbrachten ein wirklich entspanntes Wochenende zusammen. Die großen Männer vergnügten sich beim Angeln, während wir Mädels mit Theo ein wenig die Stadt erkundeten und ein Käffchen unter Freundinnen schlürften. Die Abende genossen wir Großen mit witzigen Gesprächen bei Bier und Wein. Auf ein Wiedersehen. 😉

Die letzten Wochen waren bisher die Kostbarsten und Bereichernsten. 1000% Realität tagtäglich. Wir wandern über Stock und Stein, fallen hin, holen uns Schrammen, stehen wieder auf, unser Blick bleibt aufrecht. Wir erklimmen gemeinsam die schönsten Berge, sind müde und geschafft aber dankbar für jedes Panorama, was uns geboten wird. Wir brauchen nicht viel…nicht die ständige Beschallung. Wir sind glücklich wenn wir an einem See Steine titschern, im Wald Wanderstöcke suchen, am Meer in den Wellen toben, auf den Wiesen Ratschlag üben, am Fluss Staudämme bauen, uns die grünen Hügel runterkullern lassen, barfuß am Strand spazieren und Muscheln sammeln, Sandburgen, Flösse und Hütten bauen…ich könnte ewig so weiter machen.

Die Tage vergehen wie im Flug. Wir wissen nicht was noch kommt, was uns erwartet, müssen immer flexibel reagieren, packen aus, packen ein, fahren weiter. Das kann auf Dauer sehr anstrengend sein…und wenn wir ehrlich sind, haben wir diesen Punkt bereits erreicht. Wir sehnen uns nach einem festen zu Hause, einer Base, mehr Paarzeit, mehr Ichzeit. Unsere Reise neigt sich dem Ende…unsere Flüge nach Deutschland sind bereits gebucht. Gute 6 Woche verbleiben uns noch in der Ferne. Wir wissen, dass auch diese Zeit wie im Flug vergehen wird, weshalb wir sie, trotz Heimweh, in vollen Zügen genießen werden.

Inspiriert von guter Lektüre, tiefergehende Gespräche während der langen Autofahrten und dem neuen Curse Album 😉, überdenken wir immer wieder unser Handeln und unsere Werte, die uns durch die Gesellschaft und Erziehung eingepflanzt wurden. Wir erwischen uns dabei, wie wir ständig Flashbacks in unsere eigene Kindheit haben. Wir stellen uns pro-aktiv die Frage, warum wir so manche Verhaltensweisen an den Tag legen und überdenken diese, wenn notwendig. Wir sind bewusster im Umgang miteinander geworden und nehmen uns die Zeit einander zuzuhören. Viele neue und alte Gefühle kommen ans Tageslicht. Das ist nicht immer angenehm, aber doch so befreiend.

So viele Höhepunkte hatten wir bereits auf unserem Weg, aber mein ganz persönlicher Höhepunkt liegt in meinem Inneren. Die Erfahrungen und die Erkenntnisse des letzten halbem Jahres haben mich innerlich wachsen lassen. Diese Reise hat mir einen Weitblick gegeben, den ich für immer wahren werde. Wenn ich mies drauf bin, frage ich mich zu allererst selbst, was mir im Hier und Jetzt weiterhelfen würde. Äußere Umstände sind manchmal nicht zu ändern. Wir können nur unsere Sicht darauf verändern. Wir haben nicht nur wundervolle Eindrücke unserer bezaubernden Mutter Erde erhalten, sondern auch an Bewusstsein gewonnen, was uns wirklich wichtig ist.

 

Bis ganz bald.

Eure Weltenbummler