Über Land und Leute

Über Land und Leute

16. November 2018 0 Von Jule

Unsere Tage auf Bali sind gezählt. Eine knappe Woche bleibt uns noch in diesem wundervollen Land. Man…wie die Zeit vergeht.

Bali wird uns aber definitiv in bester Erinnerung bleiben und vielleicht sieht man sich ja irgendwann wieder. Nach wirklich schönen, sonnigen und schweißtreibenden Monaten sind wir nun aber doch etwas tropengesättigt. So kommt uns Neuseeland als nächster Spot mehr als Recht.

Die letzten Tage sind wir von Lovina, über Bondalem nach Candidasa gereist. Immer an der Nordküste entlang Richtung Osten.

Der Norden Balis ist nicht gerade für tolle Strände berüchtigt, dafür aber umso mehr für die zahlreichen Wasserfälle, beeindruckende Berglandschaften, große Seen in den Tälern, hübsch angelegte Wassertempel und heiße Quellen. Dies alles haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Ein schöner Nebeneffekt zum doch eher drückenden Klima, waren die Rollerfahrten durch die Berge. Oben war es deutlich kühler und vor allem hat es super viel Spaß gemacht mit den Rollern durch die Landschaften zu cruisen, um dann an coolen Wasserfällen zu rasten und sich zu erfrischen. Ich schreibe bewusst erfrischen, denn das Wasser aus den Bergen ist wirklich ar…kalt. Nichts im Vergleich zum doch eher warmen Meer. Im Sambangan Secret Garden gibt es mehrere Wasserfälle, wo man von den Felsen (5m, 10m, 15m) springen sowie auf natürlichen Wasserrutschen ins Wasser gleiten konnte. Wir haben lediglich den 5m Sprung gewagt und sind die kleinere (Kinder)rutsche gerutscht. Allein das hat echt Spaß gemacht. Am Ende unserer Rutschtour haben wir dem heiligen Aling Aling Wasserfall noch einen Besuch abgestattet. Dort ist das Schwimmen verboten, da der Wasserfall unter den Balinesen als heilig gilt.

Nicht ganz so zahlreich wie die Wasserfälle, aber auch hier und da vertreten, sind die heißen Quellen im Norden von Bali. Wir besuchten die Air Panas Banjar Hot Springs. Das 38 Grad warme und schwefelhaltige Wasser soll sehr gut für die Haut sein. Zudem konnten wir uns unter den Wasserstrahlen eine natürliche Massage gönnen. Von Erfrischung kann hier nicht die Rede sein, dennoch war es überraschend angenehm.

Auch die Tempelanlagen hier im Norden können sich mehr als sehen lassen. So besuchten wir den Tempel at the Lake mit einer großen Gartenanlage direkt am Dunau Baratan sowie den Tirta Gangga Wasserpalast, welcher früher ausschließlich als Frauenbad genutzt wurde. Dies verriet uns ein Balinese, der uns plötzlich auf Deutsch ansprach und uns erzählte, dass er lange in Deutschland gelebt hat, weil er in Münster Medizin studiert hat. Immer wieder witzig, wenn Einheimische plötzlich deutsch mit einem reden. 😊  Die Jungs hatten auf jeden Fall sichtlich Spaß, die dicken, hungrigen Keukarpfen zu füttern sowie an den vielen kleinen Springbrunnen herumzuspritzen.

Auf Bali gibt es zwei Vulkane. Der größere und noch aktive Agung und der etwas kleinere derzeit inaktive Batur. Eigentlich war es mein Wunsch den Batur zu besteigen und den Sonnenaufgang von oben zu sehen. Mitten in der Nacht wird man zum Berg gefahren, bekommt eine Taschenlampe in die Hand gedrückt und läuft mit einem Guide sowie einer Traube von Menschen 2-3h den Vulkan hoch. Es ist wohl ein nicht so leichter Aufstieg, wohl aber machbar. Eine solche Tour wurde in unserer letzten Unterkunft angeboten, allerdings nur ab zwei Personen. Da einer von uns bei den Kindern bleiben muss und ich keinen zweiten Mann/Frau finden konnte, hat es leider für mich nicht funktioniert. Zum Trost haben wir einen Tagestrip zum Batur gemacht und konnten so aus der Ferne die beeindruckende Natur betrachten.

Die letzten Tage verbrachten wir in Candidasa, am östlichen Zipfel Balis. Von allen Ecken, die wir bisher gesehen haben, überzeugt uns Candidasa bisher am meisten. Hier zeigt sich in den kleineren Dörfern noch das ursprüngliche Bali, umgeben von einer saftig grünen und üppigen Vegetation (Reisfelder, Blumen, Farne, Laubwälder, Palmen) sowie Berge auf der einen Seite und das Meer auf der anderen Seite. Natürlich geht der Tourismus auch an Candidasa nicht vorbei, aber wenn man sich nur ein paar Minuten auf den Roller schwingt, Berg hoch und runter fährt, dann beobachtet man Schulkinder in ihren Uniformen, die einem freudig zuwinken, Frauen, die große Körbe auf dem Kopf balancieren, schlafende Arbeiter, die ihre Pause unterm Strohdach genießen, Reisbauern mit großen Hüten in saftig grünen Reisfeldern, Hühner, die über die Straßen flitzen sowie kleinere Tempel, in denen Zeremonien abgehalten werden. Natürlich kann man dies überall auf Bali beobachten. Aber nach dem doch eher tristen und trockenen Norden, kam uns Candidasa wieder freundlicher vor.

Problematisch und wirklich traurig ist, dass leider fast überall auf der Insel die Müllberge am Straßenrand zu sehen sind. Ich muss sagen, man kann es ganz gut ausblenden, denn die Spots für Reisende werden meist sauber gehalten. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und zero waste ist gerade in den Touristengebieten zu erkennen. Beispielsweise geben viele Warung Bambusstrohhalme anstatt dem üblichen Plastik. Je lokaler es aber wird, desto mülliger wird ist. Ich habe dreimal locals dabei beobachten können, wie sie Müll in den Wald geschmissen haben. ☹

Noch entsetzter war ich bei unserem Tagesausflug auf die Nachbarinsel Nusa Penida. Diese Insel wird als Paradies angepriesen. Ganz unrecht haben sie damit nicht. Die Küsten und Strände sind wirklich traumhaft. 😊 Krasse Steilküsten und Formationen, welche ins türkisblaue Wasser ragen. Das Wasser ist so klar, dass wir aus ca. 80m Höhe die Fischschwärme sehen konnten. Am Crystal Bay konnten wir uns im vorderen Wasser entspannt abkühlen und dann gleich los schnorcheln um Fische zu beobachten. Allein mit dieser Beschreibung und den dazugehörigen Bildern habe ich jetzt sicherlich wieder viele Menschen angefixt.

Jetzt kommt die Kehrseite der Medaille. Wir wurden mit einem Speedboot auf die Insel gefahren. Bei Ankunft hatten wir ruckzuck einen Fahrer für den Tag. Schon als ich ins Auto einstieg, schickte ich ein Stoßgebet gen Himmel. Was für eine Schrottkarre. Über eine nicht vorhandene Klimaanlage wollen wir verwöhnten Westler gar nicht meckern. Aber als ich merkte das der Boden provisorisch mit Lenolium ausgelegt war, es keinerlei Anschnallgurte gab und die Kiste von vorne bis hinten klappert, musste ich kurz mal dem Heiligen Christopherus Bescheid geben. Zumal wir gehört haben, dass auf Nusa Penida die Straßen wirklich sehr schlecht sein sollen. Dies war übrigens auch der Grund, warum wir uns keine Roller geholt haben…was letztendlich auch gut so war. Mit viel Vertrauen in unseren turbulenten Fahrer (und noch viel mehr in dieses Auto) sind wir doch heil und durchgeschüttelt durch den Tag gekommen. Abgesehen von den wirklichen schönen Küstenregionen, ist die Insel leider völlig verdreckt und ärmlich. Die Rinder liegen in Müllbergen, die Menschen hausen in Bretterbuden, die Hühner picken zwischen den Plastikflaschen oder sind in ihren Bambuskäfigen gefangen. Plastemüll wohin man sieht. Wirklich erschreckend.

So haben wir uns gefreut, als wir die Wartezeit auf unser Boot zurück gut nutzen konnten, weil wir zwei Trash Heros getroffen haben, die spontan mit den Kindern noch zwei Säcke Müll füllten. Die Trash Heros sind immer gut an ihren gelben Shirts zu erkennen. Es ist eine gemeinnützige Organisation die auf ganz Bali vertreten ist und gemeinsame Cleanups organisieren. Über die Sozialen Netzwerke kann man sehen, wo wann gesammelt wird. Ganz einfach kann man hinzukommen und etwas für die Umwelt tun. Wir haben bei unserem ersten Aufenthalt in Canggu ein Cleanup mitgemacht. Daher erkennen die Kinder die Trash Heros jetzt überall. Zudem sind sie selbst stolze Trash Heros. Eine großartige Bewegung, die wir möglicherweise auch jetzt in den letzten Tagen nochmals unterstützen werden.

Ansonsten werden wir unsere Balizeit gemütlich ausklingen und Revue passieren lassen. So viele Eindrücke und Inspirationen, die wir mitnehmen.

Das Nächste Update kommt dann schon aus dem entfernten Neuseeland.