Scheiße muss nicht stinken – Unsere letzten Tage in Chiang Mai

Scheiße muss nicht stinken – Unsere letzten Tage in Chiang Mai

6. März 2019 0 Von Jule

Ich muss gestehen meine Erwartungen an Thailand waren mehr als gering.

Ungefähr so: heiß, dreckig, laut und hektisch; duschen lohnt sich nicht, da man eh gleich wieder schwitzt; tagsüber durch die Straßen laufen, macht keinen Spaß, da die Sonne knallt und der Verkehr verrückt ist; man muss ständig Angst haben, sich irgendeinen Virus einzufangen, weil die Hygiene zu wünschen übriglässt oder an jeder Ecke die Moskitos lauern, um Malaria, Dengue und Co zu übertragen.

Aber mal wieder bin ich positiv überrascht. Chiang Mai ist eine Stadt im Norden Thailands. Das Klima ist angenehm bei 33 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von nur ca. 30 Prozent. Quasi ähnlich wie an schönen Sommertagen in Deutschland. Dementsprechend sind derzeit auch weniger Moskitos unterwegs. Der Tourismus ist hier natürlich auch bereits angekommen, dennoch lange nicht so verrückt wie im Süden Thailands oder, womit wir gut vergleichen können, wie auf Bali. Die Altstadt ist voll von bunten Tempelanlagen, Marktständen und süßen Restaurants. Ruhige Seitengassen bieten ein vielseitiges Angebot an Yoga, Wellness, Massagen und Meditation. Das schöne ist, man kann die Gegend wirklich noch gut mit Fahrrad erkunden. Es fahren zwar viele Tuk  Tuks, Roller und Autos herum, aber auch das ist lange nicht so crazy wie beispielsweise in Ubud/Bali.

Hier lässt es sich doch die letzten Tage gut aushalten. Zumal wir eine wundervolle gemeinsame Woche mit unserem Besuch aus Chicago genießen konnten.  Gemeinsam mit Svenni und Catherine erkundeten wir die Umgebung. Unter anderem den White Tempel “Wat Rong Khun”,
eine riesige buddhistische Tempelanlage nördlich von Chiang Mai.

Ausschnitt aus der Höllendarstellung
Über die Brücke ins Nirvana

Wir spazierten mit den Elefanten durch den Dschungel und planschten anschließend mit den freundlichen Riesen im Wasser.

 Zudem besuchten wir den Bua Tong Waterfall. Dieser Wasserfall ist wirklich einzigartig, denn man kann sich mithilfe von Seilen den ganzen Wasserfall hochziehen. Es sieht wirklich schwieriger aus als es ist. Letzten Endes hat es sogar unser Theo geschafft die Felsen hochzuklettern.

Es war einfach so schön endlich wieder ein Stück Familie um sich zu haben. Wir haben viel gelacht, lecker gegessen und es uns einfach gut gehen lassen. Es war so easy mit den beiden in einen angenehmen Flow zu kommen. Viel zu schnell ging diese gemeinsame schöne Zeit rum.

Nachdem die beiden wieder abgeflogen sind, sind wir für die letzten Tage in ein altstadtnäheres Hotel umgezogen. Aber trotz Pool und Stadtnähe, ist die Luft bei uns einfach allmählich raus.

Ich für meinen Teil merke, wie sehr mir meine Ich-Zeit und meine Freunde fehlen. Und auch wenn ich hier nur aus meiner Perspektive berichten kann, glaube ich, dass ich nicht falsch liege, wenn ich behaupte, dass es meinen Männern ganz genauso geht. Das Heimweh der letzten Wochen war bei uns allen wieder mehr als präsent. Es geht gar nicht so sehr darum wo man sich befindet, sondern eher um die Sehnsucht nach etwas Vertrautem, Beständigen, Verlässlichen, Entlastenden. Chiang Mai hat so viel großartiges zu bieten, wie all die anderen schöne Orte, die wir bereits gesehen haben und auch noch sehen wollen. Für den jetzigen Augenblick aber haben wir erst einmal genug Eindrücke gesammelt und sehnen uns nach Ruhe, nach Freunden und Familie, nach einem zu Hause…

Das wir all das vermissen, ist denke ich normal. Wenn uns in ein paar Wochen die Klauen des deutschen Systems wieder fest im Griff haben, werden wir voller Sehnsucht an diese wundervollen 7 Monate unserer Reise zurückdenken. Das gehört nun zu unserem Gleichgewicht. Unser Blick auf diese bunte Welt und auf die Menschen, mit denen wir sie teilen, hat sich um ein Vielfaches erweitert. Viele neue Aspekte ersetzen nun alte festgefahrene oder angelernte Ansichten. Wir alle haben fürs Leben dazugelernt und gemeinsam alle Herausforderungen gemeistert. Ich bin unendlich dankbar und stolz auf meine drei Männer.

Da ich so einen wundervollen Herzensmenschen an meiner Seite habe, den ich glücklicherweise auch noch mein Mann nennen darf, habe ich hier in Chiang Mai die Möglichkeit meine Yoga- und Meditationslust noch einmal voll auszukosten. Jeden Vormittag darf ich für ein paar Stündchen verschwinden. Ich schwinge mich aufs Fahrrad und besuche Yoga- und Meditationsklassen. Ich merke wie ich meine Sehnsucht nach Ruhe schon ein Stück in mir selbst finde.  

Die Jungs kommen dann am Nachmittag auf ihre Kosten indem wir (Indoor) Spielplätze besuchen, im Park die Fische füttern, in der Shopping Mall Eislaufen gehen 😊, den Zoo besuchen oder aus Elefantenpoo Papier herstellen. 

Elefantenpoop hat eine angenehm fruchtige Note, da sich die Riesen nur von Obst und Bambus ernähren.

Aber auch der Papa konnte sich mal einen Abend davonstehlen, um einem internationalen Thaiboxing beizuwohnen. Ein Bekannter aus Berlin war zufällig gerade mit seiner Freundin hier in Chiang Mai. Gemeinsam hatten sie einen schönen Abend bei Beer and Boxing. 😉

Die Tage bis zum Abflug sind gezählt. Am 11.03. werden wir den Nachtzug nach Bangkok nehmen, sodass wir am 12.03. früh in Bangkok ankommen. Da wir ein Direkt – und Übernachtflug gebucht haben, werden wir die Stunden bis zum Check In noch in Bangkok verbringen. Abends geht es dann 12h Richtung Europa. Wenn alles gut geht, landen wir morgens am 13.03. in Frankfurt. Mit dem Zug geht es dann nach Ulm, von wo uns mein Bruderherz abholt. Bei ihm und seiner süßen Familie dürfen wir uns dann die ersten Tage in Deutschland akklimatisieren und ankommen.

Es liegt also noch ein langer Trip vor uns, aber die Vorfreude treibt uns an.