Pläne sind da, um verworfen zu werden.

Pläne sind da, um verworfen zu werden.

28. November 2018 0 Von Jule

In unserer letzten Woche auf Bali haben wir es uns nochmal so richtig gut gehen lassen. In Canggu hatten wir eine wirklich tolle Unterkunft gebucht. Eine eigene kleine Hütte mit offenen Wohn- und Essbereich, kleiner Küchenzeile und unterm Strohdach zwei gemütliche Himmelbetten. Es war ruhig gelegen und trotzdem brauchte man bis zum Strand nur 10 Minuten mit dem Roller. Achja…das Roller fahren…wie ich das vermissen werde.  Auch die kulinarische Vielfalt haben wir bis auf letzte ausgekostet, indem wir uns voll und ganz unseren Gelüsten hergegeben haben.

 

 

Der Papa konnte nochmal ein paar Arbeitsstunden schrubben im Dojo Coworking Space. Die Jungs kamen im Trampolin Center auf ihre Kosten und ich habe mir ebenso noch eine Yogaklasse gegönnt. Die Abende haben wir dann meist am Strand verbracht. Die Kinder haben es so geliebt in den riesigen Wellen am Ufer zu toben, während ich den Sonnenuntergang bestaunte. Es war ein wirklich runder und gelungener Abschluss unserer anfangs holperigen, aber insgesamt wundervollen Zeit auf Bali.

 

Next Stop Neuseeland. Wir sind aufgeregt, was uns erwartet…ähnlich wie zu Beginn unserer Weltreise. Wieder ein Aufbruch ins Ungewisse. Zumal wir nicht wirklich viel vorgeplant haben für Neuseeland. Wir haben lediglich die Flüge nach Auckland gebucht, uns ein Auto für die Zeit reserviert und die erste Nacht gebucht. Der grobe Plan lautete: in Auckland mit Secondhand Zelt, Isomatten und Schlafsäcken ausrüsten und los. Nordinsel 1 Woche, dann übersetteln auf die Südinsel für 2 Wochen, Mitte Dezember wieder rüber auf die Nordinsel, dann Housesit über Weihnachten und Silvester auf der Nordinsel, dann Abflug nach Thailand. Puh…straffes Programm…

In Neuseeland ist das Freedom Campen noch erlaubt. Wir hoffen das bleibt auch so. Wir haben uns sagen lassen, dass letztes Jahr 3Mio. Touristen Neuseeland besucht haben. Das ist schon beeindruckend, zumal dieses Land insgesamt nur 4,5Mio Einwohner hat. Wo viele Touris sind, wird viel Müll produziert. Und gerade beim Freedom Campen kommt es vor, dass die Leute ihren Müll liegen lassen oder ihren Abfall in die tiefen Plumsklolöcher kippen. Ich kann es nicht verstehen, wie man auf solche Ideen kommt, aber Idioten gibt‘s ja bekanntlich überall. Wir hoffen also, dass das Freedom Campen in diesem Land dennoch erhalten bleibt, denn schon nach den ersten Tagen auf dieser bezaubernden Insel wissen wir, dies ist definitiv nicht unser letzter Besuch.

Aber nochmal kurz zurück. Unser Flug von Denpasar über Sydney nach Auckland ging Donnerstag  Abend um 22:30Uhr. Ungefähr 6h vor Abflug bekamen wir per Mail die Info, dass unser Anschlussflug von Sydney nach Auckland komplett gecancelt wurde. Na super…

Wir wurden direkt auf einen neuen Flug umgebucht, was aber bedeutete, dass wir 12h Aufenthalt in Sydney haben. Das wiederum bedeutet, wir benötigen ein australisches Visum, da wir uns ohne Visum nur bis zu 8h in dem Land aufhalten dürfen. Glücklicherweise ist die Visumsbeantragung reine Formsache und war recht fix online erledigt. Also dann mal auf in den Kampf.

Wir alle haben die 6h Flug nach Sydney größtenteils schlafend verbracht. So sind wir gegen 7Uhr Ortszeit in Sydney recht ausgeruht angekommen. Am Gepäckband haben wir dann ein deutsches Pärchen getroffen, die das Gleiche Leid hatten wie wir. Wir kamen recht schnell ins Gespräch. Während wir uns eher Gedanken gemacht haben, wie wir die 12h rumkriegen (Gepäck loswerden und in die City fahren), wollten die beiden bei der Airline nach Entschädigung fragen. Letztendlich haben wir alle voneinander profitiert. Wir haben von der Airline eine Nacht inkl. Frühstück im Hotel Nähe Auckland Airport gesponsort bekommen und zusätzlich noch Vouchers im Wert von 120 NZD für die Verpflegung am Flughafen. Nachdem wir gemeinsam schön gefrühstückt haben und unser Gepäck schon aufgeben konnten, sind wir mit der Bahn nach Sydney reingefahren. Lediglich 20min Fahrt trennten uns vom weltweit bekannten Opera House. Nur der Bahnpreis hat uns alle etwas aus den Socken gehauen. Für uns vier haben wir umgerechnet 67€ für Hin und Zurück bezahlt. Und dabei sei zu vermerken, dass wir für Theo noch nicht zahlen brauchten. Dafür war der Blick auf die Oper kostenfrei und auch der anschließende Spaziergang inkl. relaxen im Royal Botanic Gardens. Die Sonne schien, der frische Wind pustete uns endlich mal wieder so richtig den Kopf frei und in lieber Begleitung waren wir auch. Wie kann man seine Wartezeit sinnvoller verbringen?!

Am Flughafen gab es dann ein leckeres Abendbrot (wir mussten ja noch unsere Gutscheine verbraten 😉) und dann ging es auch schon in den nächsten Flieger. Ein kurzer Handcheck mit den Piloten im Cockpit und weiter geht’s. Der Flug verging wie im Flug 😊 und so sind wir nachts um 1 Uhr Ortszeit in Auckland angekommen. Dank unserer Entschädigung mussten wir jetzt nur noch 10 min mit dem Bus in unser Hotel fahren und ins Bett fallen. Puh…geschafft.

New Zealand, here we are! 😉

Völlig verpennt haben wir uns dann am Morgen zum Frühstücksbuffet geschleppt. Hmm…es gibt Crossants, Müsli, Youghurt, Kartoffelecken…das ist doch mal was. Dann duschen, packen, weiter geht’s.

Der Papa ist zu unserer Autovermietung gefahren und hat unser Gefährt für die nächsten Wochen abgeholt…und wie sollte es anders sein…gleich erstmal geschrottet.😊 Nagut…ganz so schlimm war es nicht. Nur ein Platten vorne links. Seine Entschuldigung war: „Es war noch so viel Auto links von mir – ich habe den Bordstein nicht gesehen.“ So mussten wir noch auf den Pannendienst warten, der uns den Ersatzreifen montierte. Dann konnten wir endlich losfahren. Unser Gefährt ist ein Ford Mondeo mit einem ziemlich kleinen Kofferraum. Das ist mir natürlich gleich aufgefallen und schon kamen mir Zweifel bezüglich der Campingausrüstung. Wie soll die bloß, neben unserem ganzen Gepäck, noch reinpassen?

Zunächst brauchten wir aber erstmal wärmere Klamotten, welche wir uns im H&M besorgten. Es war schon Nachmittag und noch immer hatten wir keine Ahnung, wo wir die Nacht schlafen werden. Wir waren müde, hungrig, hatten immer noch kein Zelt und keinen Plan. So beschlossen wir kurzerhand noch eine Nacht in Auckland zu bleiben und buchten uns über Booking in eine Cabin auf einem Campingplatz ein. Lediglich zwei Doppelstockbetten und ein kleines Waschbecken. Eigentlich vollkommen ausreichend und irgendwie voll gemütlich. Das Gelände war überschaubar, kleiner Spielplatz, Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsbad, Wäscheraum und andere Familien mit Kindern. Alles was man braucht. Als wir morgens bei Regen aufwachten, entschieden wir für uns, dass wir für die kommenden Wochen weiterhin in solchen Cabins unterkommen wollen. Erstens passt eine Zeltausrüstung mit Isomatten und Schlafsäcken definitiv nicht mehr in Auto. Ein Autoupgrade wäre noch teurer und aufwändiger. Zweitens geht uns viel Zeit flöten, müssten wir jedes Mal Zelt auf- und abbauen, mal ganz abgesehen davon, dass dies bei Regen eh keinen Spaß macht. Wir wollen was von diesem wunderschönen Land sehen und endlich losfahren. Bis zu unserer Fährüberfahrt auf die Südinsel am 30.11. sind es nur noch ein paar Tage und noch etliche Kilometer.

So machten wir uns noch am selben Tag auf, ins zwei Stunden entfernte Cambridge. Dort hatten wir uns für zwei Nächte auf einem Campingplatz eingebucht. Ganz in der Nähe ist das Hobbiton Film Set gelegen, welches Bosi sich gerne anschauen wollte. Der Blick auf die Preise ließ uns aber mal wieder schlucken. Gute Nachricht die Kinder sind free, schlechte Nachricht für zwei Erwachsene zahlt man umgerechnet ca. 100€. Puhh…Neuseeland ist preislich echt der Hammer. Mir wäre es das definitiv nicht wert gewesen, ihm schon irgendwie. 😉 Letztendlich wurde uns die Entscheidung aber abgenommen, denn alle Touren waren für den Nachmittag ausgebucht. So ging es durch die grüne, hügelige Teletubby-Landschaft wieder zurück zum Campsite.

Was uns alle echt beeindruckte, war der Ausflug in die Glowworm Caves am nächsten Tag. Wir hatten eine geführte Tour in die Höhlenwelt Neuseelands. Die Glowworms (Glühwürmchen) hängen an den Höhlendecken, leuchten vor sich hin, fressen Insekten, die sich in die dusteren Höhlen verirren und befruchten sich den lieben langen Tag. Das ist ein Leben. 😊 Und dabei sehen sie auch noch wunderschön aus. 😉

In der Höhle ist es wirklich stockdunkel, man hört die Tropfen von den Felsen ploppen und das rauschen kleinerer Wasserfälle. Und über unseren Köpfen eröffnet sich eine Pracht an leuchtenden Pünktchen. Bruno hat es so schön in Worte gefasst. „Mama, ich fühle mich, als würde ich durch die Milchstraße fahren.“

Unser Guide – übrigens ein sehr sympathischer 63-jähriger Kiwi, der sich schon sein ganzes Leben lang mit den Caves beschäftigt – führte uns noch in eine weitere Höhle, limestone cave (übersetzt Kalkstein Höhle). Neben den  fast 40m hohen Tageslichtlöchern – den Tomos, Stalagmiten und Stalaktiten, haben wir Knochen von Tieren entdeckt. So auch den Ziegosaurus.😊 Die Ziege hatte sich vor vielen, vielen Jahren in die Höhle verirrt. Da es so stockdunkel ist, hat sie den Ausgang nicht mehr gefunden und ist letztendlich verhungert. Bruno war davon natürlich vollkommen geflasht. „Mama, woher wusste der Mann, dass ich Archäologe bin und Skelette spannend finde?“ 😊

Unser Weg weiter Richtung Südzipfel führte uns zu den Redwood Forest bei Roturua. Gigantisch hohe Bäume, riesige Farne und schwefelige Tümpel begegneten uns auf unserer kleinen Wanderung durch den Wald. Zudem eine richtige Schippe an frischer Luft und gutem Sauerstoff. Herrlich! Auf dem Thermal Explorer Highway ging es dann zum Lake Taupo, wo unser nächster Campingplatz gelegen war. Für den Nachmittag haben sich der Papa und Bruno eine Angel ausgeliehen, um uns zum Abendbrot Fisch zu servieren. Zu meinem ganz persönlichen Glück, haben sie nichts gefangen, sodass ich zum Abendbrot meine geliebten Nudeln mit Tomatensauce bekam. 😊 Diese schmeckten, nach einem kurzen Sprung ins ar…kalte Wasser des Lake Taupo, allen besonders gut.

Neuseeland haut uns wirklich um – nicht nur preislich. 😊 Mit Bedauern mussten wir schon in den ersten Tagen feststellen, dass wir viel zu wenig Zeit eingeplant haben. Hätten wir nicht bereits unsere Flüge nach Bangkok im Januar gebucht, würden wir unsere Zeit hier einfach verlängern.

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Und hier das aktuellste Update. Wir haben uns heute entschieden unsere Zeit hier tatsächlich zu verlängern. Vor ein paar Stunden erst haben wir unseren Flug nach Bangkok umgebucht von Anfang Januar auf Ende Februar. Diese Entscheidung entschleunigt uns so sehr. Schon die ersten Tage waren einfach nur anstrengend, weil es so viele wundervolle Orte zu sehen gibt, uns aber die Zeit im Nacken saß. Wir würden in den nächsten vier Wochen einfach nur durch dieses Land rauschen. Jeden Tag 2-3 Stunden fahren ist anstrengend. An keinem Ort mal richtig rasten zu können und auf sich wirken zu lassen, ist wenig befriedigend. Wir haben das Glück unsere Zeit hier verlängern zu können. Genau deswegen wollten wir flexibel reisen, sodass wir an Orte, wo es uns besonders gefällt, einfach auch mal länger bleiben können. Neuseeland ist so ein Ort. Und diese Entscheidung heute hat uns alle durchatmen lassen. 😉

Wir sind jetzt in Foxton Beach, südlich der Nordinsel, auf einem Campingplatz. Wir haben hier gleich noch eine Nacht verlängert, um etwas zur Ruhe zu kommen und zu schauen, wie wir die nächsten Wochen gestalten. Wir werden aber erstmal auf der Nordinsel bleiben und im neuen Jahr, nach unserem Housesit, entspannt die Südinsel erkunden. Dies besiegelten wir heute bei einem Abendbrotspicknick am Strand.