Neuland weckt Erinnerungen

Neuland weckt Erinnerungen

23. Dezember 2018 1 Von Jule

In den letzten Tagen und Wochen sind wir quer über die Nordinsel gefahren und haben einige wunderschöne Ecken gesehen. Die Strecke der letzten zwei Wochen habe ich mal visuell festgehalten. Ehrlich gesagt, habe ich bisher noch keinen Fleck auf dieser Insel entdeckt, der mir so gar nicht gefallen hat. Neuseeland ist einfach so vielseitig, so natürlich, gewaltig und verzaubernd.

An einem Fleck fühlt man sich wie an der Nordsee, wie wir zum Beispiel am Strand von Thames. Das Wetter war bewölkt und etwas windig. Der Strand lag voll mit tollen Muscheln und als die Ebbe kam, sind wir durchs Watt gelaufen. Einfach herrlich.

Bei der Cathedral Cove nur ein paar Kilometer weiter, fühlten wir uns auf einmal in die Tropen zurückversetzt, nur mit kälterem Wasser aber dafür kein Müll am Strand.

Am Hahai Beach, welcher direkt an unserem Zeltplatz war, spielten und planschten wir wie an der Ostsee.

Unsere Kanutour auf dem Wanganui River erinnerte mich ein wenig an die Paddeltouren mit meinen Eltern früher, nur das ich dieses Mal auch wirklich paddeln musste. 😀

Zu Beginn der Strecke hatten wir super Rückenwind, sind völlig entspannt und genüsslich daher gepaddelt. Aber auf einmal – ungelogen von jetzt auf gleich – drehte der Wind und kam direkt von vorne. Wir paddelten und paddelten und kamen trotzdem nicht gegen den Wind und die Wellen an. Verrückt. Das Wetter ist echt unberechenbar hier. Wir haben es mit mühevollem Einsatz dann doch bis ans Ziel geschafft und Theo ist sogar auf den letzten Metern eingeschlafen. 😉

Das wechselhafte Wetter, die grünen Wiesen und Hügel erinnern uns ganz stark an Irland. Aber auch hier in Neuseeland stört uns der Sonne-Wolken-Regen-Mix nicht. 

Eines Nachts gewitterte es so gewaltig, inkl. Stromausfall, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Richtig unheimlich wurde mir bei diesem lauten Krachen, Donnern, Trommeln und Pfeifen. Brrr… Ich war nur glücklich, dass die Kinder schliefen… UND dass wir nicht in einem Zelt, sondern sicher in einer warmen Kabine lagen. Uns war vorher nicht so bewusst, dass auch ein Teil Neuseelands auf dem pazifischen Feuerring liegt. Das bedeutet auch hier sind Erdbeben und Tsunamis nicht ungewöhnlich. Nicht das ein Gewitter gleich die nächste Naturkatastrophe auslöst, aber Respekt vor Mutter Natur verschafft es allemal. 😉

Die doch eher einzigartigen Erlebnisse der letzten Wochen waren zum einen die Fahrt über den „Forgotten World Highway“ – 155 Km Berg rauf und Berg runter, über Stock und Stein, durch einen Tunnel, welcher Hobbit Hole genannt wird, vorbei an grünen Hügellandschaften, steilen Felswänden, Kuh- und Schafsweiden, über Flüsse und Bäche… in the middel of nowhere. Streckenweise konnten wir nur maximal 40 Km/h fahren, da der Weg schmal und kurvig war sowie zum Teil nur mit Schotter belegt. Es gab die gesamte Strecke keine Tankstelle und kein Netz. Dafür eine unbezahlbarer Ausblick. Insgesamt haben wir für diese 155km gute drei Stunden gebraucht. Allerdings mit einer Pause und einigen kleinen Stops, um Bilder zu machen, welche den Anblick leider nicht annähernd widerspiegeln können. Wir sind auf jeden Fall froh, uns die Zeit genommen zu haben. In diesem Falle war ganz klar der Weg das Ziel. 😀

Auch am darauffolgenden Tag machten wir einige einzigartige Begegnungen. Wir besuchten die Nevaleas Alpaca Farm für eine kleine Fütterung. Diese Tiere sind einfach sooo flauschig. <3 Witzig war zu beobachten, wie charakterlich verschieden die Tiere doch waren. Eins zutraulich, eines eher schüchtern, einige sehr neugierig, andere völlig desinteressiert und natürlich der eine Raufbold (oder auch ADHS-Alpaca), welcher offensiv nach dem Futter giert und die anderen wegschubst. Vor dem hatte sogar Bruno Respekt. 😀

Auf dem Weg in den Norden, sind wir spontan noch in Otorohanga am Kiwi House & Native Bird Park vorbeigekommen. Einen Kiwi sehen, ja das stand doch noch auf unserer Liste. Also rein da. Zu allererst mussten wir feststellen, dass Kiwis nachtaktiv sind. Das erklärte auch, warum wir bei unseren zahlreichen Wanderungen bisher noch keinen gesehen haben. 😀

Nach langem Suchen im dunklen Gehege haben wir es schon fast aufgegeben. Denn, zweitens, wohnen Kiwis in Erdhöhlen und kommen nachts nur zur Futtersuche raus. Über eine Kamera konnte man die Kiwis auf einem Bildschirm sehen, wie sie in ihrer Höhle hockten und schliefen. Hmm… naja… wir dachten besser als gar nichts und wollten gerade gehen, bis wir noch ein zweites Dunkelgehege entdeckt haben. Und tatsächlich… da kam ein Kiwi aus dem Gebüsch und war intensiv damit beschäftig Futter in seine Höhle zu schleppen. Echt witzig diese dicken Vögel mit Schnurrhaaren. 😀

Ein ebenso einzigartiger Ort ist der Hot Water Beach auf der Coromandel Peninsula. Zur Ebbe kann man sich dort einen warmen Spa Pool direkt am Strand buddeln. Durch thermische Quellen vulkanischen Ursprung fließt unterhalb der Erde kochend heißes Wasser, welches langsam an die Oberfläche tritt. Vermischt sich dieses sehr heiße Wasser mit dem kalten Meerwasser, entsteht eine angenehme Badewanne direkt am Strand. Richtiges Spa-Feeling kam aber nicht wirklich auf, denn der Hot Water Beach ist eine DER Hauptattraktionen Neuseelands. Dementsprechend teilt man sich den Strand und die Pools mit hundert anderen Menschen. Wir konnten dieses Naturphänomen dennoch genießen.

Dies war bisher auch der touristischste Spot in Neuseeland. Denn obwohl derzeit Hauptreisezeit ist und wir wirklich viele, viele Camper unterwegs sehen, stellen wir immer wieder mit Erstaunen fest, dass wir schöne Spots fast ganz für uns allein haben. In New Plymouth, an der Westküste, haben wir zum Beispiel einen traumhaften Aussichtsspot entdeckt, wo wir einen UNGLAUBLICHEN Blick auf den Mount Taranaki hatten. Was für ein beeindruckender Vulkan, wie gemalt steht er da.

So einzigartig und dennoch heimisch fühlt sich Neuseeland für uns an. Von der Nordinsel sind wir schon einmal sehr begeistert. Umso gespannter sind wir auf die Südinsel im neuen Jahr.

Jetzt sind wir aber erst einmal für 2 Wochen in Gisborne gestrandet. Hier dürfen wir das Haus von einem älteren Paar sitten, welche ihren Weihnachtsurlaub in Australien bei ihren Töchtern verbringen. Vier Hühner und drei Katzen haben sie uns hiergelassen, sowie einen wunderbaren Garten, mit allem was das Herz begehrt. Das heißt wir haben nicht nur jeden Tag frische Frühstückseier, sondern können uns auch noch mit Salat, Erdbeeren, frischen Kräutern, Rhabarber, Spinat, Zitronen und Frühlingszwiebeln versorgen. Hier werden wir die Weihnachtsfeiertage und das Silvesterfest verbringen und etwas zur Ruhe kommen. Nach den vielen Kilometern der letzten Wochen ist das genau das Richtige.

Erste Amtshandlung war natürlich das Plätzchen backen und Weihnachtslieder hören, damit auch wir mal etwas in weihnachtliche Stimmung kommen. Hat auf jeden Fall funktioniert…inkl. Heimweh nach unseren Familien und Freunden. 😉 Aber auch wenn es dieses Jahr für uns kein „Driving Home for Chrismas“ gibt, genießen wir unsere Zeit hier zu viert und freuen uns auf einen vielversprechenden Start ins Jahr 2019.

Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch an alle dort draußen.

Meri Kirihimete!