Nach der Reise ist vor der Reise

Nach der Reise ist vor der Reise

27. Juni 2019 0 Von Jule

Wir sind wieder gelandet in Deutschland. Körperlich gesehen schon seit drei Monaten, aber ich würde sagen, erst seit ein paar Wochen wirklich auch seelisch und geistig. Ich brauchte einige Zeit, um mich wieder an die deutschen Normen und Gewohnheiten zu gewöhnen.

Aber kurz von vorne:

Mitte März sind wir wieder in Deutschland gelandet. Nach einer Rückreise, welche sich über drei Tage streckte (Nachtzug von Chiang Mai/Thailand nach Bangkok, 12h Stunden Bangkok, Nachtflug nach Frankfurt a.M.) kamen wir morgens nach deutscher Zeit und bei einer Ar…kälte in Frankfurt an. Wir wurden auch gleich freundlichst von der Deutschen Bahn mit Zugausfall und Verspätung begrüßt. Hat sich ja nichts geändert, dachten wir. 😀  Letzten Endes sind wir dann aber doch nur 1,5h später als geplant bei meinem Bruder in Bayern gelandet. Also alles noch vertretbar. 😉

Mit dem Nachtzug 14h von Chiang Mai nach Bangkok
Mit dem TukTuk durch Bangkok
12h Bangkok waren überraschend schön
Ankunft in Frankfurt a. M. *brrr

Wir verbrachten eine schöne Woche bei meinem Bruder und seiner Familie in Bayern. Ich genoss es total meine Neffen auch mal etwas länger um mich zu haben und überhaupt, verstanden sich die vier Cousins überraschend gut. Wir erkundeten die Umgebung und machten einen Ausflug nach Friedrichshafen am Bodensee. Wundervolle Gegend mit eindrucksvoller Naturkulisse, die mich gleich wieder ans wunderschöne Neuseeland erinnerte.

Außerdem fanden wir unsere neue Familienkutsche im schönen Bayern. Als also alles unter Dach und Fach war, konnten wir unseren neuen blauen Flitzer gleich mal 800km quer durchs Land einfahren. Vom Südwesten ging es hoch in den Nordosten.

Und da waren wir nun. In unserer alten, neuen Heimat. Irgendwie vertraut und doch komisch. Wir freuten uns ungemein auf unsere Familie und Freunde, die wir so vermisst hatten. Allerdings hatte ich oft das Gefühl, dass dies gar nicht so auf Gegenseitigkeit beruhte. Nicht weil sie uns nicht mögen (hoffe ich zumindest :D)…nein, ich vermute eher, weil wir durch die sehr aktuellen Blogartikel doch immer irgendwie präsent waren.

Bei uns ist so wahnsinnig viel passiert in diesen 7 Monaten und in der Heimat mahlen die Mühlen weiter wie bisher. Das war anfänglich wie ein umgedrehter Kulturschock. Mir sind Kleinigkeiten aufgefallen, die mir vorher nie so bewusst waren. Beispielsweise, dass Häuser dicht an dicht gebaut sind, dass das kleinste Grundstück durch einen Zaun den „Privat-Stempel“ aufgedrückt bekommt. Oder, dass auch in Deutschland verhältnismäßig viel Müll rumliegt, dass unsere Gesellschaft angstgetrieben ist. Sicherheit wird häufig der Freiheit vorgezogen. Negative Denkweisen nehmen verhältnismäßig viel Platz in den Köpfen der Menschen ein.

Aber auch, dass unser Land wundervolle Ecken und eine eindrucksvolle Natur zu bieten hat. Dass wir (NOCH) vor Naturkatastrophen weitestgehend verschont sind und, dass es noch Menschen gibt, die mit Freude ihren Job nachgehen. Dass unsere medizinische und soziale Versorgung großartig ist und, dass das Meer eine heilende Wirkung hat. 😊

An dieser Stelle muss ich auf jeden Fall auch meine Begegnung mit dem Arbeitsamt erwähnen. Ich beziehe derzeit meinen ALG I Anspruch. Die Bearbeitung war wirklich, entgegen meiner Erwartungen, schnell und problemlos. Da ich meinen Antrag schon vor der Reise gestellt hatte, pausierte dieser nur und konnte mit meiner Rückkehr wieder aufgenommen werden. Nun dachte ich, dass das Arbeitsamt bestimmt Stress macht und mich schleunigst wieder in einer Beschäftigung sehen will. Stattdessen wurde mir nun ganz selbstverständlich eine Weiterbildung angeboten. Cool, dachte ich, na wenn das geht. Und so werde ich ab August voraussichtlich eine Weiterbildung zum systemischen Coach starten. Zusätzlich beginne ich ab September eine Yogalehrerausbildung, die ich aber aus eigenen Mitteln stemme.

Ich hatte zu Beginn des Jahres schon das Gefühl, dass 2019 mein Jahr wird. Und wenn ich das erste halbe Jahr so betrachte, kann ich nur sagen: Läuft bei mir! 😀

Wir hatten unglaublich Glück, schnell eine Wohnung gefunden zu haben. So sind wir schon seit zwei Monaten ganz offiziell wieder mit festem Wohnsitz in Rostock. Schule/Hort Anmeldung sowie Kitaplatz sind geritzt ab August. Die Selbstständigkeit von unserem Daddy läuft besser denn je. Uuuund seit Anfang der Woche haben wir auch endlich unsere neue Couch (Lieferzeit 10 Wochen…Puh). Wir sind sehr dankbar und glücklich wieder ein zu Hause gefunden zu haben, wo wir uns wohl fühlen.

Endlich wieder ein zu Hause zum abhängen. 😀

Dennoch waren die ersten Wochen und Monate wirklich hart und sehr anstrengend. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich erst jetzt den Kopf dafür habe, hier mal wieder etwas zu schreiben. Gerade an den Kindern haben wir gemerkt, dass sie einfach ihre Zeit brauchen, um sich wieder ein- und umzugewöhnen. Sie waren sehr wuselig und fordernd und irgendwie hilflos. Das zerrt natürlich auch an einem selbst, vor allem wenn man noch 70 andere Sachen zu erledigen hat. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich kurz vorm Nervenzusammenbruch stand. Ich hatte Fluchtgedanken, wollte wieder weg, raus aus diesen belastenden Strukturen.

Das dies nicht die Lösung ist, wusste ich natürlich. Glücklicherweise habe ich durch unsere Reise eine vertrauensvolle innere Haltung aufgebaut. Demzufolge wusste ich, dass jede schwere Zeit seinen Sinn erfüllt und auch wieder vorbei geht. Meistens ist dies sowieso die lehrreichste Zeit.

Meine Fluchtgedanken waren allerdings nicht ganz ohne Effekt. Denn wir werden vor Schulbeginn noch einmal aufbrechen. Wir machen endlich mal so richtig Urlaub. Vor allem unser Papa hat es sich mehr als verdient. Zwei Wochen mit dem Wohnmobil durch Südschweden. Das Schönste ist, dass uns wundervolle Freunde begleiten werden. Wir freuen uns auf eine entspannte Zeit mit großartigen Eindrücken und tiefsinnigen Gesprächen.

Ihr hört von uns…ganzegalwo.