Liebe Grüße aus der Achterbahn

Liebe Grüße aus der Achterbahn

11. Oktober 2018 0 Von Jule

Seit genau zwei Wochen sind wir nun auf Bali. Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Der Moment, als wir endlich das erste Mal aufeinander trafen, ließ mich innerlich aufblühen. Es war so, wie ich es mir vorgestellt hatte und noch besser. Ubud ist eine wirklich lebendige Stadt. Viele Touristen, darunter wirklich etliche Deutsche. Ein verrückter Verkehr von ständig hupenden Rollern und Autofahrern. Schmale, vollgestellte Gehwege, vor jedem Hauseingang ein kleines Körbchen voll Opfergaben und Räucherstäbchen. Straßenhunde, Steinfiguren, Hühner, Hindutempel, Geschäfte, Yogazentren, ein unglaublicher Markt vollmit Holz-, Batik- und Webkunst. Hipster-Vegane-Restaurants, liebevoll eingerichtete Warung von traditionell regionaler Küche bis hin zur internationalen Küche und natürlich nicht zu vergessen, die wirklich herzensguten Einheimischen, die immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Uns als Familie ist dieser Trubel der Stadt auf Dauer zu viel, eine Reise wert ist Ubud aber definitiv.

Und so schön wie unser Kennenlernen war, so aufwühlend waren unsere ersten Tage, gerade für den Theo. Wieder eine neue Umgebung, wieder andere Gerüche und Eindrücke. Das kannten wir jetzt schon von Theo, dass er da etwas mehr Eingewöhnungszeit benötigt. Vollkommen ok und verständlich. Wir begleiten ihn natürlich dabei. Seinen Unmut macht er jedoch sehr lautstark deutlich. Die ersten zwei Tage waren geprägt von Trotzanfällen der allerfeinsten Art. Eine vollkommen neue Seite an unserem Kind. Echt heftig! Wegen einer Lappalie drehte er völlig am Stock und war erst nach einer viertel Stunde treten, hauen, schreien und spucken wieder irgendwie ansprechbar, sodass wir gemeinsam eine Lösung für das „Problem“ finden konnten. Nur um ein Beispiel zu nennen – beim Abendbrot haben wir für ihn extra noch einmal Nudeln nach geordert, da ihm die von Bruno so gut geschmeckt hatten. Die Nudeln kamen aber auf einem neuen Teller und der sah anders aus, als den Bruno vorher hatte. Ergo, waren es nicht die gleichen Nudeln die Bruno hatte. Katastrophe!!! Solch Aussetzer durften wir in den ersten zwei Tagen des Öfteren begleiten. Das zerrt ordentlich an den Nerven – an meinen auf jeden Fall. Mittlerweile ist er aber wieder der kleine freche Spatz und er scheint angekommen. Ein Segen. 😉

Ein weiterer Segen ist die Mobilität hier vor Ort durch unsere Roller. Dadurch sind wir super flexible und können überall hinfahren wo wir wollen. Die Jungs lieben das Roller fahren und an den Verkehr haben wir uns erstaunlicherweise recht schnell gewöhnt.

Jedoch konnten wir unsere gewonnene Flexibilität leider in der ersten Woche nur für medizinische Einsätze nutzen. Bruno hatte plötzlich heftiges Fieber bekommen. Eine sorgenvolle, tränenreiche und von Unsicherheit geprägte Woche liegt hinter uns. Wir waren nervlich am Ende und spielten mit dem Gedanken unsere Reise zu beenden. Aber kurz von vorne.

Das Bruno sehr tierlieb ist, erwähnte ich bereits und wer ihn kennt, kann dies auch aus erster Hand bestätigen. Eines Morgens entdeckte er bei uns im Garten einen Vogel. Wir tauften ich liebevoll Fridolin und er war nun sein Haustier. Der Vogel war mir von Anfang an nicht geheuer und deswegen bat ich Bruno ihn nicht anzufassen. Daran hielt er sich auch vorerst bis er ihn dann doch im Laufe des Tages rumschleppte. Das er sich jedes Mal danach die Hände wusch, konnte ich nicht zu hundert Prozent beobachten. Zwei Tage später bekam er auf einmal hohes Fieber. Puuh… Gerade hatten wir Theos Fieber in Malaysia und den Reise- und Ankommensstress hinter uns gelassen, wird unser Bruno krank. Wir sind gleich am nächsten Tag zu Arzt, denn durch Google erfuhr ich, dass seit 2003 auf Bali auch die Vogelgrippe vorkommt. Vogelgrippe…damit habe ich mich vorher ehrlich gesagt noch nie beschäftigt…aber als ich las, dass diese zu 50% tödlich enden kann, habe ich kein Auge mehr zu gemacht. Ein Bluttest gab uns besorgniserregende Werte. Bakterielle Entzündung über eine Hautinfektion an seinem Oberschenkel und ein Virusinfekt – welcher ist unklar. Die Vogelgrippe ist nicht auszuschließen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Wir sollten abwarten und ihn beobachten. Andernfalls müssten wir in ein Krankenhaus, anderthalb Stunden entfernt, in Quarantäne genommen werden. Na super… So kämpfte Bruno gegen das Fieber, sah wirklich blass und schlecht aus und wir wurden innerlich von den Sorgen zerfressen. Er bekam einen heftigen Hautauschlag, der an eine Masernerkrankung erinnerte. Ein weiterer Bluttest sollte dann Aufschluss geben, ob sich die Werte verbessert haben. Problem war nur, Bruno ließ keine Nadeln mehr zu. Ok wir werden dich nicht zwingen, aber hilfreich wäre es. Am nächsten Tag probierten wir ihn nochmals zum Bluttest zu animieren. Das Fieber kam in der Nacht immer wieder und die Ärztin sagte er befinde sich in der Grauzone. Sie würde gerne eine zweite Meinung einholen und den Bluttest machen. Nicht dergleichen geschah. Bruno wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Nadel. Den Stress ihn in ein Krankenhaus zu fahren, um dort die ganze Prozedur nochmals durchzumachen, wollten wir ihm nicht mehr antun. Wir entschieden uns nach langen Überredungsversuchen, den Bruno zu verschonen. Theo war müde und auch seine Geduld war am Ende. Nervlich glichen wir alle schon einem Wrack. Uns blieb nichts anderes übrig, als ihn weiter zu beobachten. Sein Ausschlag war rückläufig und das Fieber stieg zwar in der Nacht an, schlich sich aber langsam aus. Nachdem ich die fünfte Nacht stunden wach lag, ging es ihm dann langsam aber stetig besser. Sein Gesicht wurde mehr und mehr rosiger.

Glücklicherweise kam am Samstag unser Besuch an, der uns allen unglaublich gut tut. Wir hoffen, wir haben sie mit unseren Stories der letzten Tage nicht verschreckt und wir können zwei wundervolle Wochen verbringen. Die Jungs genießen es jedenfalls sehr vertraute Gesichter zu sehen. Am Ende des Tages ist Bruno wieder geklettert, konnte lachen und flitzen. Alles das war in den Tagen zuvor undenkbar.

Seit dem Wochenende erkunden wir also Ubud und Umgebung via Roller. Auf dem Weg zu den Tegalalang Reisterassen, machten wir noch einen Abstecher zu den Luwak Katzen und gönnten uns ein Schlückchen vom teuersten Kaffee der Welt – luwak kopi. Er wird aus dem Kot der Luwak Katzen gewonnen. Die Katzen fressen die Bohnen und scheiden sie dann wieder aus. Der Bohnenkot wird dann gesäubert, gepuhlt, getrocknet, geröstet, gemörsert und als „türkischen Kaffee“ serviert. Mich hat der Kaffee ehrlich gesagt nicht so überzeugt, da er eher wässrig geschmeckt hat. Also kann man machen, muss man aber nicht. 😊

Weitere schöne Spots waren unter anderem der Tegenungan Waterfall sowie der Beach von Sanur inklusive Schnorchelausflug. Wir haben einen kleinen Rochen gesehen und am Strand eine Babyschildkröte. Bruno war von der Unterwasserwelt so begeistert, dass er die Korallenriffe mit Steinen und Algen am Strand gleich nachbaute.

Der gestrige Tag war mein ganz persönliches Highlight – mein 30. Geburtstag. Ich wusste wirklich so gar nicht, was mich erwarten wird. Mein Mann hat den Tag für mich perfekt organisiert. Ich durfte ein Frühstück nur mit meinem Mann genießen, während unser Besuch die Jungs hütete. Danach bekam ich ein 3-Stunden-Rundum-Komplettverwöhnpaket in einem Spa. Ganzkörpermassage – Peeling – Flowerbad – Gesichtsmassage. Ich war wie neu geboren. Danach gab’s eine schöne Stärkung und dann ging’s ab auf den Markt. Hier konnte ich ein paar schöne Kleinigkeiten für unseren zukünftigen Hausstand shoppen. Den restlichen Nachmittag genossen wir alle gemeinsam mit Kokosnuss und toben im Pool. Nach dem Abendbrot durfte ich dann noch mit unserem Besuch die Bars unsicher machen, während Daddy die Kinder ins Bett brachte. Ein rundum gelungener Tag ganz nach meinem Geschmack.

In den nächsten Tagen werden wir Ubud wohl eher hinter uns lassen und uns mehr auf die Küstenregionen der Insel fokussieren. Das Thema Krankheit ist jetzt hoffentlich erstmal erledigt.

Drückt uns die Daumen. 😊