Jetzt oder nie

Jetzt oder nie

13. Juli 2018 1 Von Jule

Eines Morgens bin ich, wie immer, mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ich ließ meine Gedanken schweifen, träumte von Bali, wie ich am Pool sitze, Blick auf den Strand, mein Laptop auf dem Schoß…

Ich war so in Gedanken, dass ich ein Stoppschild überfuhr und die netten Polizisten an der Kreuzung gar nicht wahrnahm. Ok. Dann eben nochmal 10Euro. Der dritte Strafzettel in einem Monat und das, obwohl wir nicht mal mehr ein Auto haben. 😉 Was das angeht, bin ich schwer zu toppen.

So viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Sie aufzuschreiben, hilft beim Sortieren. Einfach mal etwas Zeit für mich zu haben und die Gedanken aufzuschreiben – das kommt im Alltag, neben Beruf und Kinder oft zu kurz. Meistens fehlt mir auch die Muße, mich nochmals hinzusetzen nach einem langen Arbeitstag. Dann bin ich eher froh auf der Couch abzuspannen.

Mittlerweile hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Nun habe ich Zeit für die letzten Vorbereitungen. Immerhin muss ein kompletter Haushalt aufgelöst werden.

Aber nun von Anfang an.

Im Januar dieses Jahres (2018) wurden wir durch den Film „Zwei Familien auf Weltreise“ inspiriert. Der Film wurde mir schon mehrfach bei Facebook empfohlen, aber ich war immer zu geizig die 18 Euro für den Downloadlink zu bezahlen. Den Trailer habe ich mir aber immer wieder angeschaut. Irgendwann habe ich mich dann doch entschieden den Download zu bezahlen und wir haben uns den Film angeschaut. Wir waren sehr beeindruckt und für uns stand fest, das wollen wir auch. Aber, dass es so schnell geht, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Dinge, die erst einmal dagegensprachen, waren Brunos Einschulung im Sommer 2018 und unsere Jobs. So ließen wir den Gedanken an eine Weltreise erst einmal wieder gehen. Allerdings konnten wir nicht so richtig von der Idee loslassen. Und so fügten sich die Dinge.

Unser mittelfristiger Plan war es irgendwann Berlin zu verlassen und ins schöne Mecklenburg zurückzukehren. Spätestens wenn Theo eingeschult wird, haben wir uns gesagt. Ich dachte, warum so lange warten. Und so informierte ich mich, wie in Mecklenburg-Vorpommern der Stichtag für die Einschulung ist. Schnell war klar, dass Bruno in Meck-Pomm ganz regulär erst nächstes Jahr, also 2019, eingeschult wird. Wir hätten also noch problemlos ein Jahr Zeit. Warum dann nicht jetzt gleich fahren. Wir haben Januar und bis August haben wir noch genug Zeit, um in Berlin alle Zelte abzubrechen und notwendige Vorbereitungen zu treffen.

Beim Thema Job, fügte sich dann auch recht schnell alles. Bosi spielte des Öfteren mit dem Gedanken beruflich was Eigenes auf die Beine zu stellen und nun hatte er einen guten Grund dies nicht mehr auf die lange Bank zu schieben. Er hätte dann auch die Möglichkeit von unterwegs aus zu arbeiten. Was meinen Job angeht, ja, den hatte ich gerade mal seit September. Gerade habe ich mich eingefunden, tolles Team, flexible Arbeitszeiten. Aber hey…nichts, was ich nicht auch irgendwann woanders bekäme. Natürlich hatte ich schon ein schlechtes Gewissen meinen Kolleginnen gegenüber, gerade weil ich weiß, wie händeringend Sozialarbeiter im Jugendamt gesucht werden. Aber die Argumente sprachen definitiv mehr für unser Vorhaben. Letztendlich hat es mein Team auch mit Fassung getragen. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass sie meine Beweggründe verstanden haben. Das war mir sehr wichtig.

Ja und so stand der grobe Plan. Die Reaktion der meisten auf unser Vorhaben war: „Ihr seid so mutig.“ „Ich beneide euch.“ „Nehmt ihr die Kinder mit?“ Selbstverständlich nehmen wir die Kinder mit. Was für eine Frage. 😀

Als wir es unseren Eltern erzählt haben, waren sie im ersten Moment erstmal buff. So habe ich es zumindest wahrgenommen. Ich denke ganz sorglos können sie unser Vorhaben bis heute nicht betrachten, aber dafür sind sie ja auch Eltern. Auch ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mir so gar keine Sorgen machen. Ich bin eben auch nur eine Mama. Fragen, die mich beschäftigten, während unserer Planung waren unter anderem, was die Reise mit unseren Kindern machen wird.

Bruno freut sich tierisch auf die Schule. Ich bin mir nicht sicher, ob er weiß, was es bedeutet noch ein ganzes Jahr zu warten. Er möchte unbedingt lesen lernen. Heute bekommt er seine erste Schultüte. Er ist wirklich ein stolzer Vorschüler und bekam vor kurzem seine erste Schultüte auf dem Abschlussfest in der Kita. Seine Kitakumpels werden ab August alle die Schule besuchen. Für Ihn heißt es ein Jahr reisen. Jedoch heißt lernen ja nicht unbedingt immer nur Schule. So sind wir hier in Deutschland sozialisiert, ja. Aber auch Reisen bildet, und zwar ungemein.

Bei Theo ist es wirklich schwer einzuschätzen, wie er die Veränderungen, die auf uns zukommen, tatsächlich schon wahrnimmt. Ich denke, das werden wir erst sehen, wenn es dann wirklich so weit ist. Es bleibt spannend. Und bis dahin werden wir alle wichtigen Dinge vorbereiten und die Kinder möglichst gut bei den bevorstehenden Veränderungen begleiten.

Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir uns auf die intensive gemeinsame Familienzeit freuen, unabhängig von den gesellschaftlichen Strukturen die uns im (deutschen) Alltag treiben. Wir wollen uns von unseren Bedürfnissen treiben lassen, ohne Zeitdruck und Verpflichtungen. Leben, Abenteuer und Natur um uns herum. Eine sinnvolle und auch verantwortungsvolle Aufgabe, die uns erwartet. Ich bin dankbar, dass wir in der tollen Situation sind, so eine längere Reise anzugehen. Von unterwegs aus arbeiten, den Kindern und auch uns die Welt zeigen, neue und fremde Kulturen kennenlernen und unseren inneren Bedürfnissen nachgehen. Darauf freuen wir uns.

 

Eine weitere Frage, mit der wir uns auseinandergesetzt haben, ist die Gesundheitsfürsorge. Mit dem Thema Impfen haben wir uns sehr intensiv beschäftigt. Ich bin kein großes Impffan, aber eben auch kein absoluter Impfgegner. Und was die Kinder angeht, ist es einfach auch eine Entscheidung, die wir als Eltern gemeinsam treffen müssen. Bosi ist eher pro Impfen und für mich stand fest, ich könnte mir nicht verzeihen, wenn die Kinder sich etwas Tropisches einfangen. Das Ausmaß kann ich nicht einschätzen und so stand auch für mich fest, wir müssen vorsorgen und die Kinder impfen. In diesem Punkt bin ich nicht 100 % davon überzeugt, aber ich weiß, dass ich nicht ruhig schlafen könnte, wenn wir sie nicht impfen lassen würden. Das Gute ist, dass unsere Krankenkasse wirklich alle Impfungen komplett übernommen hat und wir dadurch finanziell keine Einbußen gemacht haben.

Dennoch hätte ich mir eine umfassendere Beratung der Vor- und Nachteile gewünscht. Wenn man ins Tropeninstitut geht, wird einem jede Impfung als überaus wichtig dargestellt. Unsere Kinderärztin hatte leider nicht ausreichend Kenntnisse über diese Thematik und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns selber zu belesen und zu recherchieren. Ich würde mir beim Thema Impfen einen gesunden Mittelweg wünschen. Ich bin immer noch der Meinung, dass nicht jede Impfung sinnvoll ist, es aber durchaus Wichtige gibt. Würde dahinter nicht eine so unglaubliche Pharmaindustrie stecken, würden Ärzte bei der Beratung vielleicht auch ehrlicher abwägen. So wie es aber derzeit ist, geht es wieder mal nur ums Geld. Dem Ottonormalverbraucher bleibt nichts anderes übrig, als sich selber die Infos zusammen zu sammeln und sich auf sein Gefühl zu verlassen. Letztendlich sind wir fein mit der Entscheidung, ich denke das ist das Wichtigste.

Jetzt haben wir noch einen guten Monat bis zum Abflug. Diese Zeit werden wir mit Kisten packen, Möbel abbauen, Verabschiedungen und Behördengängen füllen. Die Aufregung und die Vorfreude steigen täglich. Dann heißt es: Auf ins Abenteuer!