Jahreswechsel unter der Sonne

Jahreswechsel unter der Sonne

10. Januar 2019 0 Von Jule

15 Tage an einem Ort…Wahnsinn. Für uns mal wieder ein völlig neues Gefühl, welches wir die letzten drei Monaten nicht hatten. Umso intensiver konnten wir es genießen, nicht nur weil sich das Auspacken endlich mal wieder gelohnt hat.
Die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel verbrachten wir in Gisborne, im Osten der Nordinsel. Eine idyllische Weinregion, eine schnukkelige Stadt und ein kilometerlanger Sandstrand. Perfekter Ort, um mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Und genau das haben wir getan.

Unser Housesit war in einem ruhigen Dorf gelegen. Wir genossen es auszuschlafen, mit einem entspannten Frühstück in den Tag zu starten und kleinere Ausflüge zu machen. Nebenbei kümmerten wir uns um unsere Haustiere…obwohl das kein großer Aufwand war. Hauptsächlich, weil Bruno das vom ersten Tag an zu seinem Verantwortungsbereich ernannt hat. Meistens war er eh morgens der Erste, der aufgestanden ist. Die Kätzchen schlängelten sich um seine Beine und mauzten nach Futter, was er ihnen dann auch gab. Dann noch schnell die Hühner rauslassen, welche vergnügt zum Kompost flitzten und pickten oder im Stall ein Ei legten…Sonntags auch mal zwei. 😉 Die Kätzchen waren den größten Teil des Tages draußen unterwegs und melden sich höchstens am Nachmittag nochmal für ein Fresschen.


Es war einfach stimmig. Wir genossen es zu kochen (u.a. Papas Eiersalat mit Eiern von glücklichen Hühnern und Mamas Smoothie Bowls), draußen und drinnen zu spielen, auf der Terrasse gemütlich ein Käffchen zu trinken und mal wieder tiefergehende Gespräche zu führen, abseits von Reiseplanung. Wir kamen nicht nur körperlich zur Ruhe, sondern auch seelisch. Ich muss gestehen es brauchte ein paar Tage bis wir an dem Punkt waren. Aber dann fühlte es sich wirklich wie zu Hause an. Auch wenn es nicht unser zu Hause war, war es doch ein schönes Gefühl nach der langen Zeit.

Was aber auch aufkam, war eine tiefe Sehnsucht nach unseren Freunden und der Familie. Vielleicht war es wegen der Weihnachtszeit oder wegen der Ruhephase oder weil wir einfach schon fast 5 Monate von zu Hause weg sind oder oder oder. Fakt ist, dass wir soziale Kontakte nach wie vor sehr missen. Wir lernen auf Reisen hier und da nette Leute kennen. Aber jeder hat seinen eigenen Reise- und Zeitplan und so verbringt man meistens nur ein paar nette Stunden miteinander bis sich die Wege dann recht schnell wieder trennen. Auch wenn man sich fest vornimmt, sich nochmals zu sehen, klappt es am Ende meist doch nicht. So schön wie diese kurzen Begegnungen mit anderen Reisenden sind, umso deutlicher wird doch mit der Zeit, wie sehr wir unsere tiefen Freundschaften vermissen – die Menschen, die uns kennen und lieben, uns in den Arm nehmen und immer ein offenes Ohr haben.

Bei all der Sehnsucht bereuen wir dennoch keine einzelne Minute unserer Reise. Unsere Familienzeit hier ist so kostbar. Als Familie, als Eltern sowie als Paar sind wir bereits gewachsen. Wir haben gelernt mit uns im Gleichgewicht zu sein, lassen uns vom Außen nicht verunsichern, gehen mit Akzeptanz und Vertrauen unsere Wege und entscheiden uns stehts für die Positiv-Brillen auf unseren Nasen. Diese Werte tragen uns immer fort und werden uns auch nach Deutschland begleiten. Wie der Weg dann für jeden Einzelnen von uns aussehen wird, wird sich zeigen. Fakt ist, dass wir weiterhin als Individuen und als Familie wachsen werden.

Den „Heiligabend“ verbrachten wir so richtig gemütlich zu Hause. Theo hatte etwas Fieber und draußen regnete es bei 17Grad den ganzen Tag. Perfekte Bedingungen für einen kuscheligen Tag. Nach einem kleinen Regenspaziergang durchs Dorf, kochten wir ein leckeres Weihnachtsessen mit selbstgemachtem Rotkohl und Klößen. Während die Ente im Ofen brutzelte, schauten wir „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Das Essen war natürlich in nullkommanix verspeist.

Als die Jungs dann im Bettchen waren, gönnten mein Mann und ich uns noch ein Gläschen Rotwein auf der Couch. Ich würde sagen ein ganz normaler Weihnachtstag. Die Bescherung haben wir ganz landestypisch erst am 25. morgens gemacht. Bruno hat sich eine Drohne vom Weihnachtsmann gewünscht. Seit Monaten redete er von nichts anderem mehr. Theo bekam ein schönes Magnetspiel. Beide Jungs waren damit vollends zufrieden. Für mich der Beweis, dass diese Geschenkeflut an Weihnachten einfach nicht sein muss.

Nachdem wir ausgiebig mit unseren Familien telefoniert haben, sind wir nachmittags zum Strand gefahren. Vorher musste aber natürlich noch Brunos Drohne auf einer Wiese ausprobiert werden. Es war etwas mehr Wind, sodass die Drohne schon sehr zu kämpfen hatte, dagegen anzukommen. Gerade wenn man sie höher flog, kam sie nicht gegen den Wind an. Und so kam es wie es kommen musste, als Bruno und Papa abends unbedingt nochmal Drohne fliegen wollten. Bruno wollte sehen wie hoch sie fliegen kann, weshalb der Papa das Ding hochsteuerte. Prompt wurde sie vom Wind weggetragen und ward seitdem nicht mehr gesehen. Natürlich war das Kind zutiefst betrübt, denn sein Weihnachtsgeschenk, auf dass er sich seit Monaten gefreut hatte, blieb nicht mal 24 Stunden bei ihm. Wie ärgerlich. Wir konnten sein Kummer sehr gut verstehen. Dennoch kauften wir ihm keine neue Drohne. Wir vertrösteten ihn vorerst auf Deutschland, da wir dort eine bessere Auswahl und Vergleichsmöglichkeiten hätten. Wir werden sehen, ob das Thema dann noch so aktuell ist. Seine Trauer verflog im Übrigen schon nach einem Tag.

Zwischen den Feiertagen machten wir kleinere Ausflüge in die Umgebung. So besuchten wir zum Beispiel die 600 Meter lange Brücke in Tongario, haben uns ein waschechtes Rodeo angeschaut inkl. Bullriding und Lasso werfen, gingen ein wenig wandern im wunderschönen Eastwoodhill Aboretum, angelten ein bisschen, bauten uns am Strand eine Hütte als Sonnenschutz, ließen die Jungs Ponyreiten, machten Strandspaziergänge, tobten in den Wellen oder auf einem der tollen Spielplätze.

Einen Nachmittag verbrachten wir auf einem Weingut mit leckerer Weinverkostung und selbstgemachter Pizza. Das Weingut wird von einer Familie mit 5 Söhnen betrieben. Während die größeren Kinder schon fleißig mit anpacken, spielten die kleineren Jungs mit unseren beiden im Garten. So konnten wir ganz entspannt den leckeren Wein verkosten – bester Pinot Gris ever!


Einen Nachmittag sind wir zum nahegelegenen Rock Slide gefahren – einer natürlichen Wasserrutsche. Mit einer Luftmatratze bewaffnet sind Bruno und ich runtergerutscht. Im oberen Teil des Wasserfalls konnte man sich erfrischen, sodass Papa und Theo auch auf ihre Kosten gekommen sind.

Den Silvestertag verbrachten wir zu Hause und machten alle einen schönen Mittagsschlaf. Am Nachmittag durften die Kiddies beim Nachbarn noch in den Pool hüpfen und zum Abend sind wir dann in die Stadt gefahren. Wir haben von einem kleinen Familienfestival erfahren, was wir uns natürlich anschauten. Und es hat sich wirklich gelohnt. Die Kinder konnten auf der gesamten Fläche herumflitzen, es waren ein paar Hüpfburgen aufgebaut und auf der Bühne spielte von Familienband über Girlgroup bis zu Single Künstlern alles. Gegen halb 12 waren wir wieder zu Hause und nachdem wir Theo ins Bett gelegt hatten, weil er auf dem Heimweg schon eingeschlafen ist, stoßten wir mit unserem großen Bruno aufs neue Jahr an. Da es in Neuseeland nicht üblich ist Raketen steigen zu lassen (was ich im Übrigen sehr angenehm finde), schauten wir uns ein Feuerwerk im TV an und gingen alle ins Bett.

2019 startete dann gleich mit einem weiteren Highlight – der Besuch bei den Rochen.

Mit Anglerhosen ausgestattet sind wir ins Meer gestiefelt und konnten die Rochen aus nächster Nähe betrachten. Wir durften sie füttern und streicheln. Nie im Leben hätten wir vermutet, dass diese Tiere so zutraulich sind. So elegant wie sie im seichten Wasser daher schweben, würde man niemals glauben, dass sie bis zu 200kg schwer werden können. In Acht nehmen mussten wir uns nur vor den beiden gierigen Kingfish, die vom Futter natürlich auch was abbekommen wollten.

Bevor unser Flug von Aukland nach Christchurch ging hatten wir noch zwei Spots auf unserer Liste. Hastings/Napier und der Norden des Lake Taupo.
Napier ist eine kleine Stadt, die wegen seiner Art Deco Häuser bekannt ist und darüber hinaus mit einer tollen Strandpromenade prahlen kann. Unserer Unterkunft war aber etwas abgelegener in der Nähe von Hastings. Dort hatten wir uns über AirBnB in ein Gartenhäuschen eingebucht, welches auf einem Privatgrundstück stand. Unsere Hosts waren ein sehr nettes Pärchen mit einem kleinen Hund. Zum Abendspaziergang haben sie Bruno ganz selbstverständlich mitgenommen. Er bekam eine gratis Englischstunde und brachte den beiden auch noch ein paar deutsche Wörter bei. Nebenbei führte er den Hund an der Leine und prägte sich die Umgebung so gut ein, dass er uns den kompletten Weg am nächsten Abend nochmal zeigen konnte. Ich staune immer wieder über seine gute Orientierung und seine Offenheit.

Definitiv auch ein Highlight ist die nördliche Region um den Lake Taupo. So viel beeindruckende Natur auf einmal. Unglaublich! Geothermalquellen und Geysire ziehen sich durch die gesamte Region. Wir besuchten die Orakei Korako Geothermalquellen sowie die Craters of the Moon, vulkanische Landschaft voll ursprünglicher Natur. Es qualmt und stinkt und man fühlt sich wie in der Dampfsauna. Man hört das unterirdische Wasser brodeln und sieht die Schlammlöcher blubbern. Überall stehen Achtung-Gefahr-Schilder. Die aktiven Geysire könnten jederzeit lossprudeln. Schon ein komisches Gefühl und dennoch einzigartig.


Völlig überwältigend waren dazu noch die Huka Falls. Kein gewöhnlicher Wasserfall, sondern eher eine tiefe Schlucht, durch die sich die Wassermassen mit rasender Geschwindigkeit drängen. Allein dieser Wasserfall deckt 15% der Energiegewinnung von ganz Neuseeland ab.

Nun sind wir bereits auf der Südinsel gelandet. Christchurch haben wir heute schon auf witzigen E-Rollern erkundet. Die Kinder kamen definitiv bei den zahlreichen Spielplätzen, Pools, Planschen und Parkanlagen auf ihre Kosten. Zudem besuchten wir das White Chairs Memorial, welches an die 185 Todesopfer vom Erdbeben 2011 erinnern soll. Dieses Erdbeben sieht man der Stadt nach wie vor an – vieles befindet sich immer noch im Wiederaufbau.

Für uns geht es weiter Richtung Süden. Wir freuen uns auf die kommenden 6 Wochen.

Liebste Grüße und ein gesundes neues Jahr 2019 mit vielen persönlichen Highlights für jeden von euch.