Ein Senfei am Meer

Ein Senfei am Meer

17. Februar 2019 1 Von Jule

Unser Nomadenleben in Neuseeland neigt sich langsam dem Ende. Während ich gerade diese Zeilen schreibe, sitze ich am Meer an einen Stein gelehnt, das Wasser glitzert und die Kinder bauen aus Treibholz ein “wasauchimmer”. Es ist so wunderschön. Und gleichzeitig wird der Modus, den wir seit einem halben Jahr fahren, doch langsam anstrengend. Das Arbeiten bleibt unserem Papa nicht erspart, denn gerade Neuseeland lässt sich ordentlich bezahlen. Zudem ist er tagsüber Familienvater und verlässlicher Fahrer im Linksverkehr. Das sei bei den Kilometern, die wir zurücklegen nicht unbeachtlich. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt sind. Wir haben kein Bock mehr auf Auto fahren, nicht nur die Kinder sind gesättigt.

Und trotz dieser nervigen Umstände, liegt es an uns was wir aus den paar letzten Tagen, die uns noch bleiben, machen. Bei diesen Worten sollte man es nicht glauben, aber wir genießen jeden Moment und lassen uns keinesfalls die Laune verderben. Denn wenn wir eines auf der Reise gelernt haben, sind weder Ort noch Umstände ausschlaggebend dafür, wie wir uns fühlen, sondern immer wir selbst.

So geben wir auch nichts auf die Meinungen anderer, sondern machen uns immer ein eigenes Bild. Wie oft wurde uns etwas empfohlen oder eben auch nicht empfohlen, weil…ganz furchtbar, nichts los, total überlaufen…oder oder oder. Unsere eigenen Erfahrungen passten nie zu diesen Aussagen, denn wir konnten jedem Ort etwas Schönes abgewinnen. So ist das Erlebte eben immer subjektiv.  

In den letzten Tagen haben wir enorm entschleunigt. Wir rasten mehrere Tage an einem Ort und nutzen die Gegebenheiten in unserer unmittelbaren Nähe. Die Zeltplätze sind oft sehr gut gelegen, sodass die Möglichkeiten im näheren Umfeld super sind und im besten Fall auch zu Fuß zu erreichen sind. Denn jeder Tag, an dem wir nicht Auto fahren müssen, zählt. 😀

Am Fox Glacier zum Beispiel haben wir zufälligerweise auf dem Zeltplatz eine Familie wieder getroffen, denen wir auf der Nordinsel schon zweimal übern Weg gelaufen sind. Sie haben ein Mädchen und einen Jungen im ähnlichen Alter wie unsere Jungs und sind ebenfalls auf längere Reise. Wir hatten gemeinsam so einen entspannten Tag mit großartigen Gesprächen. Vor allem die Kinder tobten und spielten ganz ausgelassen miteinander. Bruno, mitten in der Zahnlückenpupertät, fand das Mädchen offensichtlich ganz toll und versuchte ihr immer ein wenig zu imponieren. Das war so süß anzusehen. 😀

Natürlich haben wir uns aber auch den Gletscher von Nahem angeschaut. Auf den Gletscher rauf kommt man nur mit dem Helikopter. Das kam für uns nicht in Frage. Blieb also die Talwanderung bis zum Gletscherende. Ich muss gestehen, ich hätte es mir spektakulärer vorgestellt.  Die Bagger und Lasterarbeiten im Tal waren beeindruckender, gerade für die Kids. 😉

Die beiden folgenden Campingspots waren dann wieder direkt am Meer gelegen. Wunderschöne, weite Sandstrände, an denen wir fangen spielten, in die Fluten sprangen, Sandburgen bauten oder einfach Steine sammelten. Wir entdeckten sogar hinter den Felsen eine Robbe, welche sich dann aber vor Schreck schnell aus dem Staub machte.

Was wir sehr zelebrierten, war unsere Familienleibspeise direkt am Pazifik. Das gute deutsche Senfei mit Stampfis. Das lässt sich sogar in einer rudimentären Küche auf dem Campingplatz zaubern. Wir alle lieben es und verspeisten es mit direktem Blick aufs Meer. 😀

Ganz im Norden der Südinsel liegt Picton. Ein kleines Städtchen mit einem wunderschönen Hafen, an dem wir einen ganzen Tag verbracht haben. Ein schöner öffentlicher Spielplatz inkl. Piratenschiff und Plansche, ein Teich auf dem die Kids kleine Segelboote fahren lassen konnten sowie eine süße Eisenbahn. Ein kleiner Abschnitt des Hafens war als Badestelle zugelassen. Nichtsahnend begegnete mir beim Schwimmen ein schöner Rochen. Da wir schon einmal nähere Bekanntschaft mit den Kumpels machen durften, hatte ich keinerlei Angst. Wir zwinkerten uns einmal zu und gingen wieder unserer Wege. 😀 Wirklich coole Tiere. <3

Apropos coole Tiere. Ein paar Kilometer weiter die Ostküste runter liegt ein kleines Örtchen namens Kaikoura. Dort kann man besonders gut Wale beobachten. Vor der Küste Kaikouras liegt ein enorm tiefer Unterwasssergraben. Insbesondere die männlichen Pottwale haben sich diesen als Lebensraum und Jagdrevier ausgesucht, während die Weibchen eher in tropischeren Gewässern ihre Jungen zur Welt bringen. Aber auch Blauwale, Buckelwale, Delfine und andere Meeresgiganten fühlen sich dort zu Hause.

Einmal einen Wal in seinem natürlichen Lebensraum zu sehen, stand schon länger auf meiner Wunschliste. Mit unserer Reise nach Neuseeland kam ich diesem Wunsch immer näher. Also buchten wir eine Whalewatchingtour. Viel lieber hätte ich ohne Tour einen Wal erblickt, aber dies war mir bis dato leider nicht gegönnt. Also doch die teure Touritour. 😉

Als wir im Boot saßen und ich merkte, wie weit wir aufs Meer rausfuhren, war mir auch klar, warum ich bisher noch keinen Wal einfach so gesehen habe. Das Boot flitze also über die Wellen und uns allen wurde reichlich übel. Vor allem unser Papi war ziemlich blass um die Nasenspitze. Als dann aber die erste Wasserfontäne des Pottwals zu sehen war, wurde die Übelkeit hintenangestellt und das Staunen konnte beginnen. Alle 45-60 Minuten tauchen die Wale auf, um Luft zu holen. Nach etwa 5 Minuten tauchen sie dann wieder ab und winken noch einmal freundlich mit ihrer Schwanzflosse. Die Crew fuhr mit uns noch ein paar Meter weiter, mit der Aussage möglicherweise einen Blauwal zu sehen, aber ohne Garantie. Wir hatten tatsächlich Glück und uns zeigten sich sogar gleich zwei dieser Giganten. Das größte Lebewesen der Welt…wow. Sein Wasser bläst er bis zu 10 Meter in die Höhe. Allein die Zunge eines Blauwales ist so groß wie ein afrikanischer Elefant. Kaum vorstellbar. Wir haben zwar nur einen Bruchteil des Wals gesehen, aber allein die Vorstellung, dass dort ein so riesiges Tier vor dir im Meer schwimmt, ist schon faszinierend. Die Jungs waren ebenso beeindruckt.

Ich bin sehr dankbar, dass wir dies alles erleben durften. Neuseeland ist wirklich eine Reise wert. Wir hatten eine unglaubliche Zeit hier, haben liebe Menschen kennengelernt und großartige Ecken erkunden dürfen.

Pancake Rocks – Westcoast
Marlborough Sounds
Te Waikoropupu Springs – größte Frischwasserquelle der Erde

Die letzten Tage genießen wir auf der Banks Peninsula nahe Christchurch, bevor es für uns heißt:

Next Stop Thailand/Chiang Mai.

Akaroa – Banks Peninsula