Diese Momente…

Diese Momente…

2. November 2018 0 Von Jule

Ich beginne einfach gleich mal mit unserem Highlight der letzten Tage. Kurz zur Erklärung – nachdem wir fünf Tage in Canggu verbracht haben, sind wir weiter in den Nordwesten der Insel und haben uns in Pemuteran mit zwei anderen deutschen Familien in einem Homestay eingebucht. Insgesamt 5 Erwachsene und 6 Kinder. Der Nordwesten überzeugt neben schattigen Stränden und bergigen Landschaften vor allem mit seiner Unterwasserwelt….und da sind wir auch schon bei unserem Highlight.

Gemeinsam haben wir einen Bootstrip zur Pulau Menjangan gemacht, zum nordwestlichsten Zipfel Balis. Vom Boot aus konnten wir die Vulkane Jawas sehen. Was uns aber viel mehr beeindruckt hat, war das Schnorchelparadies rund um die Insel. Noch nie habe ich so wunderschön bunte Korallenriffe gesehen, wo sich eine unglaubliche Vielfalt von Fischen tummelte. Kleine, gelb-blau-orange, gestreifte, große, gehörnte, platte, neon-lila, dicke, gelbe…ich könnte noch ewig so weiter machen. Zudem haben wir blaue Seesterne, stachelige Seeigel und die verschiedensten Fischschwärme beobachten können…uuuund drei Nemo Clownfische in ihrer Anemone. In Worten lässt sich das kaum beschreiben und in Bildern nur minimal einfangen. Bleibt also nur selber anschauen. 😉

Pemuteran ist ein idyllisches Fischerdörfchen, mal ganz abgesehen von einer lauten Küstenstraße. Wir konnten den Strand fußläufig erreichen. Ein Projekt namens Biorock sorgt für den künstlichen Aufbau von Korallenriffen, sodass der Fischreichtum wieder zunimmt. Direkt vom Strand aus konnten wir also auch losschnorcheln, um die Riffe bestaunen. Ebenfalls ganz in unserer Nähe war eine kleine Schildkrötenauffangstation, welche wir gerne zur Fütterungszeit mit den Kindern besuchten. Ansonsten ließen wir es uns am Pool in unserem Homestay mehr als gut gehen. Die Kinder geisterten gemeinsam herum und wir Erwachsenen genossen die Zeit zum Quatschen.

Prinzipiell ist Pemuteran der komplette Kontrast zu Canggu. Canggu ist, ähnlich wie Ubud, sehr touristisch. Ein Paradies für Surfer, Partyleute, Gourmets und Pärchen ohne Kinder. Obwohl wir auch einige Familien getroffen haben, war es für uns auf Dauer einfach nicht das Richtige. Der Strand war sehr schön, aber wirklich kein Fleckchen Schatten. So blieb uns nichts anderen übrig als jedes Mal  Liegestühle für umgerechnet 6 Euro zu nehmen. Hinzu kam, dass das Meer eine sehr starke Strömung hatte und die Wellen wirklich hoch waren. Die Kinder trauten sich also gar nicht ins Wasser. Alternativ besuchten wir einen Tag einen nahe gelegenen Wasserpark, in welchem sich die beiden wirklich ordentlich austoben konnten.

Canggu ist neben Ubud DIE Yogahochburg Balis. Da ich es in Ubud nicht geschafft hatte, habe ich mir in Canggu eine Yogaklasse gegönnt. Auch Bruno kam in einer kleinen Boulderhalle nochmal ordentlich auf seine Kosten. Außerdem konnten beide Kinder an einer kleinen cooking class teilnehmen, die in einer sehr kinderfreundlichen Warung for free angeboten wurde. Was wir in Canggu zudem sehr genossen, war das Essen. Man hat die volle kulinarische Auswahl und einige Warung hatten sogar einen Kinderspielplatz. Das ermöglichte uns auch mal ein entspanntes Dinner. 😊 So haben wir doch das Beste für uns herausgeholt und konnten guten Gewissens weiterziehen.

Jetzt sind wir noch weiter in den Norden, nach Lovina. Hier haben wir uns mit der einen Familie (mit drei Kinder) für 7 Tage eine größere Villa in den Bergen mit Meerblick gebucht. Es ist wirklich so schön zu beobachten, wie die Kinder diese gemeinsame Zeit genießen. Sie bauen Höhlen, spielen im Pool, mit Lego, mit Puppen oder forschen im Garten…

Wir haben hier genügend Rückzugsorte für jeden und eine eigene Küche, um auch mal wieder etwas jenseits von fried rice zu kochen. Wir haben hübsche offene Bäder, sodass wir vom Klo die Mangobäume bestaunen können. Leider ist das Internet mehr als schlecht hier oben und die Wasserversorgung lässt ebenso zu wünschen übrig. Der Vermieter ist sehr bemüht die Wassertanks wieder aufzufüllen. Seit Wochen hat es hier nicht geregnet.

Als wir gestern den Strand erkundeten, fiel uns auf, dass es sehr ruhig war. Auffallend wenig Touristen für die vielen Straßenhändler. Wir haben die Region etwas unterstützt, indem wir uns ein bisschen was aufschwatzen lassen haben. Die Balinesen sind aber auch einfach so liebenswert. 😀 Spontan wurden für uns dann sogar noch vier Kokosnüsse frisch von Baum gepflückt, die wir uns dann am Strand bei Sonnenuntergang schmecken ließen…for free versteht sich. 😉

Die letzten Tage waren für uns alle wirklich sehr entspannend. Das genießen wir sehr. Auch der Austausch mit anderen reisenden Familien ist so bereichernd. Gerade sehe ich uns alle als sehr ausgeglichen.

Seit Monaten werden wir nicht mehr vom Wecker geweckt, weil wir unsere Kinder in die Kita bringen müssen, um rechtzeitig auf Arbeit zu sein. Nein, wir können entspannt in den Tag starten und genau hinschauen, was wir heute brauchen. Das ist ein großes Geschenk. Wir genießen es für unsere Kinder eine Ja-Umgebung zu schaffen, frei von „Nein, dass darfst du nicht. Nein, mach das nicht. Nein, ich kann jetzt nicht…“ Wir genießen es, eher die Ausnahmen zu machen, als immer nur Regeln einzuhalten. Wir genießen es Lernprozesse unserer Kinder detailliert mitzuerleben. Wir genießen es Mama und Papa sein zu dürfen, Ehepaar sowie Mann und Frau. So schaffen wir es gerade sehr gut all unsere Bedürfnisse zu händeln. Dabei wurde mir doch nochmal sehr klar, wie einengend die deutsche Gesellschaft mit all ihren Regeln und Strukturen auf uns Menschen wirken kann. Wir lassen unsere Kinder fremdbetreuen, um einem Job nachzugehend, der uns womöglich gar nicht richtig Spaß macht. Nach der Arbeit hetzen wir wieder los, um die Kinder rechtzeitig aus der Kita abzuholen. Meistens lagern wir sie noch auf dem Spielplatz ab, weil wir eigentlich selbst schon viel zu geschafft sind von dem Ganzen hin und her. Keine Energie, keine Balance. Zu Hause wartet der Wäscheberg und das Klo müsste auch mal wieder geputzt werden. Abendbrot vorbereiten, zähne putzen, ab ins Bett. Wenig Raum für Quality Time. Wofür das alles? Wo bleibt das Leben, neben dieser ganzen Arbeit? Wo bleibt die Zeit mit unseren Kindern? Was macht diese kranke Konsumgesellschaft mit uns und unseren Kindern?

Wir lernen hier die kleinen Dinge lieben und schätzen. Wir sind in der privilegierten Situation uns für die wichtigen Dinge im Leben Zeit zu nehmen. Diese Momente…

Dort wo unsere Wurzeln sind, werden wir früher oder später zurückkehren. Womöglich aber mit einem lebendigeren Blick für Alternativen. 😉

Wir vermissen unsere Freunde und Familien, nicht aber das kalte Deutschland.

In diesem Sinne…sonnige Grüße von uns Vieren